Der Erbach schäumt … und kein Ende in Sicht!

Auf dem Erbach schäumt es immer wieder – so massiv, dass uns der Geduldsfaden gerissen ist und wir den Umweltminister Jost am 7. März 2019 zum direkten Eingreifen aufgefordert haben. „Zwei Dinge wissen wir inzwischen: Erstens werden seit Januar 2019 Tenside in weit über den haushaltsüblichen Mengen in den Erbach eingeleitet, und zweitens wird laut EVS der Erbach nicht akut toxisch verschmutzt. Eine chronische Verschmutzung konnte jedoch nicht ausgeschlossen werden! Somit besteht die Gefahr, dass der Erbach über längere Zeit kontinuierlich mit Giften verschmutzt wird, die nicht in ein fließendes Gewässer gehören“, so Carola Piazolo. „Es sind bis heute weder die/der Verursacher bekannt, noch wurden wirksame Gegenmaßnahmen unternommen.“

Der EVS hat im letzten Stadtrat Ende Februar 2019 die Gründe für eine Verzögerung der Erkenntnislage dargelegt. Der Erbach sei so verzweigt und es gäbe unzählige Einleiter. Auf Nachfrage bei der zuständigen Behörde sind aus diesem Grund bis heute keine Rückschlüsse auf den Verursacher möglich. Es konnte außerdem kein Hinweis gegeben werden, bis wann der oder die Verursacher gefunden würden.

In Anbetracht der Tatsache, dass Kinder und Jugendliche inzwischen während ihrer Schulzeit auf die Straße gehen müssen, damit die Verantwortlichen die Ernsthaftigkeit der umweltpolitischen Lage erkennen, lässt sich Umweltverschmutzung nicht mehr auf die „Lange Bank“ schieben. Wir gehen in Homburg zu nachlässig mit der uns anvertrauten Natur und Umwelt um. Es wird Zeit Verantwortung zu übernehmen und mit Hochdruck den Verursacher zur Rechenschaft zu ziehen. Mit einem offenen Brief haben wir uns an den Umweltminister gewandt:

Sehr geehrter Herr Minister Jost,

Seit Anfang Januar 2019 kommt es auf dem Erbach – im Verlauf des Abflusses aus der Kläranlage des EVS – regelmäßig zu starker Schaumbildung. Die Presse berichtete darüber in regelmäßigen Abständen. Die massive Schaumbildung dauert nun seit mehr als zwei Monaten an. Nachdem wir mehrfach von Bürgern darauf angesprochen wurden, hatten wir als Stadtratsfraktion der Grünen am 8. Januar 2019 die Stadtverwaltung Homburg um Aufklärung gebeten. Von einer Bürgerin wurde im Januar 2019 auch die Polizei informiert.

Am 30. Januar 2019 hatten wir einen Besichtigungstermin der Kläranlage mit dem EVS. Vertreter des EVS, Herr Philippi, sowie der Stadtverwaltung, Herr Orschekowski, sicherten für die Stadtratssitzung am 21. Februar 2019 zu, die Öffentlichkeit über die Zusammensetzung der Verschmutzung und den Verursacher zu informieren.

In der Stadtratssitzung wurden wir dann nach sieben Wochen regelmäßiger massiver Schaumbildung darauf hingewiesen, dass die Verschmutzung nicht akut toxisch sei. Eine chronische Toxizität wurde bisher nicht ausgeräumt oder widerlegt.

Weder dem Stadtrat noch der Öffentlichkeit wurden bis heute detaillierte Daten zur Verschmutzung vorgelegt, noch konnte der Verursacher seitens der Stadt lokalisiert werden. Diese Verzögerung damit zu begründen, dass das Kanalsystem des Erbachs so verzweigt und es deshalb schwierig sei den oder die Verursacher auszumachen ist für uns unverständlich. Die starke Schaumbildung hält bis zum heutigen Tage an und umfasst nun schon einen Zeitraum von weit mehr als zwei Monaten.

Aus diesem Grund wende ich mich mit der Bitte an Sie für eine Beschleunigung der Untersuchung, der Feststellung des Verursachers und natürlich um Beseitigung der weiteren massiven Verschaumung des Erbachs Sorge zu tragen. Im Anhang finden Sie aktuelle Fotos des Erbach vom 04.03.2019.

Hierzu meine Fragen:

  1. Bei unserer Begehung der Kläranlage wurde davon gesprochen, dass es schon 2018 in unregelmäßigen Abständen zur Schaumbildung kam (Aussage des EVS am 30.01.2019). Seit wann beobachteten Stadt und/oder EVS eine periodische Schaumbildung auf dem Erbach?
  2. Gibt es inzwischen auch Untersuchungen des LUA im Bereich der Störungen im Erbach? Falls ja, mit welchem Ergebnis?
  3. Wurden biologische Untersuchungen im Erbach unterhalb der Kläranlage nach Beginn der Schaumstörungen durchgeführt (einschließlich Fische)? Wenn ja, mit welchem Ergebnissen?
  4. Wie ist die Wasserqualität des Erbachs im Allgemeinen? Wie viel antibiotikaresistente Bakterien, wie viel Antibiotika, wie viel andere Gift-und Fremdstoffe befinden sich im Erbach?
  5. Welche Toxizitätstests wurden wo durchgeführt? Kamen neben den wenig empfindlichen Abwassertests auch empfindlichere Tests zum Einsatz?
  6. Wie viele Hersteller bzw. Abfüller gibt es im Einzugsgebiet der Kläranlage Homburg bei denen Schaumstabilisatoren zum Einsatz kommen und mit welchen Einsatzmengen? Wurden die Hersteller auf ordnungsgemäße Abwasserentsorgung oder Vorbehandlung – unabhängig vom Verursacher – überprüft?
  7. Warum wurden nach über zwei Monaten teilweise massiver, täglich auftretender Tenside noch keine Untersuchungsergebnisse vorgelegt, obwohl diese beim Treffen in der Kläranlage Homburg am 30. Januar 2019 angekündigt wurden? Dass der Erbach verzweigt ist, war zum Zeitpunkt unseres Treffens im Januar bekannt.
  8. Mit welchen Maßnahmen sollen zukünftig Verschmutzungen im Erbach schneller erkannt und deren Verursacher ermittelt werden?

In Anbetracht der zunehmenden Umweltverschmutzungsproblematik darf Umweltschutz auch im Saarland keine untergeordnete Rolle mehr spielen. Wir bitten Sie aus diesem Grund um ein beherztes und schnelles Eingreifen.

Carola Piazolo (Mitglied des Stadtrates Homburg)

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