Erbach-Schaum – Verursacher immer noch unklar

Seit Jahresanfang 2019 entsteht im Auslauf der Kläranlage in den Erbach täglich Schaum. Nach Information der Homburger Stadtverwaltung in der Ratssitzung vom 11. April 2019 ist davon auszugehen, dass der Schaum schwer abbaubar ist, im Gegensatz zu Waschmittelschaum. Eine Untersuchung der Schaumstabilisatoren könnte Rückschlüsse auf den bzw. die Verursacher geben. Doch ist dies wird offenbar nicht durchgeführt.
SPD und Bürgermeister Forster waren sich in der letzten Stadtratssitzung darin einig, dass die Homburger Bürgerinnen und Bürger zu viel Schaum beim Duschen und Waschen produzieren. Zudem sei man ein Industriestandort. Ein oder mehrere Unternehmen als Verursacher konnte die Verwaltung immer noch nicht benennen. Es wurde lediglich zugesichert, dass Gespräche mit Unternehmen geführt würden und man auf deren Freiwilligkeit setze.
Zudem wurde erneut versichert, dass das Wasser nicht toxisch vergiftet werde. Dabei zogen die Verantwortlichen eine Untersuchung heran, die gar nicht das Ausmaß und die Auswirkungen der Verschmutzung des Erbachs mit Tensiden maß. „Es müssten biologische Test vor und nach der Kläranlage durchgeführt werden, um zu messen wie stark die Tier- und Pflanzenwelt von der Verunreinigung tatsächlich betroffen ist,“ erläutert Carola Piazolo. Die Verantwortlichen lehnten bisher biologische Tests ab, da es dafür zu kalt sei. „Das grenzt an Augenwischerei.“
Auf Nachfrage der Homburger Grünen erläuterte das Umweltministerium, dass der ökologische Zustand des Erbach grundsätzlich schlecht (Klasse 5) und die Gewässergüteklasse unbefriedigend (Klasse 4) sei. „Durch die zusätzliche massive Belastung mit Tensiden ist der Erbach in einem desaströsen Zustand, der dringend Beachtung bei den Verantwortlichen finden müsste,“ urteilt Carola Piazolo. „Antibiotikaresistente Bakterien und Antibiotika wurden vom Land noch nicht einmal gemessen.“
Auf Landesebene scheint die nötige Verantwortungsbereitschaft für saubere Gewässer zu fehlen. „Doch auch die Verwaltung der Stadt Homburg muss mehr Verantwortung für unsere Gewässer zeigen!“ so Winfried Anslinger. Da der Erbach in die Blies fließt, hat die Verschmutzung weitreichende Folgen. Bei Hochwasser tritt das verschmutzte Wasser über und gelangt auf die Felder. Es ist vor diesem Hintergrund unverständlich, wie sich die Vertreter von CDU und SPD darauf verständigen können, dass die Homburger einfach weniger Waschmittel benutzen sollen, um die Verschmutzung des Erbach mit Tensiden einzudämmen. „Fast gleicht dies einem Glas Wasser mit Arsen versetzt: das Wasser per Geruchstest zu begutachten reicht auch nicht aus, um die Toxizität festzustellen. Wir brauchen effektivere Tests und mehr Mut in der Verwaltung, um die sicher schwierigen Gespräche mit den verursachenden Unternehmen erfolgreich zu führen,“ fordert Carola Piazolo.Ein kleines Dusch-Einmaleins: Wenn 50.000 Einwohner 20ml. Duschbad jeden Tag benutzen, dann ergibt das in der Masse 1 m³ Duschbad. Der im Erbach beobachtete Schaum kann daher wohl kaum an den Bürgern und Bürgerinnen liegen. Offensichtlich kann auch Bürgermeister Forster nicht rechnen noch die die richtigen Schlüsse ziehen. Ein Neuanfang sieht anders aus.

Nachtrag vom 4.5.19: Pünklich am Wochenende ist wieder ein dicker Schaumteppich auf dem Erbach zu sehen.

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