Große Aufregung und erhitzte Debatten gibt es in Homburg bezüglich der Meßergebnisse einer privaten Aufnahme eines Kinderspielplatzes in der Mittagssonne durch eine nicht kalibrierte Wärmebildkamera.
Die Grünen Homburg bezichtigen OB Forster der Untätigkeit, da er keine Schutzmaßnahmen für Kleinkinder getroffen hat, die sich auf einer schwarzen Fallschutzmatte unter einer Spielrutsche mit 82 Grad Celsius Temperatur leicht Hitzeverbrennungen zulegen können.
OB Forster wehrt sich mit Argumenten, dass Eltern ihrer Aufsichtspflicht nachkommen müssen, den gesunden Menschenverstand anwenden sollen und die Messungen nicht professionell, privat und unkalibriert durchgeführt wurden. In der Tat wird in den Normen und Prüfverfahren die Gefahr durch hohe Temperaturen, etwa über 70°C an sonnigen Sommertagen nicht explizit adressiert.
Hersteller und Spielplatzbetreiber warnen aber, dass insbesondere schwarze Gummimatten bei direkter Sonneneinstrahlung sehr heiß werden können – teils über 70°C. Sie empfehlen daher:
- Kinder nicht barfuß spielen lassen, wenn hohe Temperaturen zu erwarten sind,
- Die Matten im Sommer ggf. zu beschatten oder mit Wasser abzukühlen.
- Regelmäßige Kontrolle und Kommunikation der Risiken durch Betreiber (z.B. Schild am Spielplatz).
Während nach unserem Kenntnisstand die Stadt selbst weder eigene Messungen durchgeführt hat, noch aktuell Sonnenschutzsegel installieren lässt, haben die Grünen Homburgs eigene Messungen in Auftrag gegeben.
Sie wurden von dem Diplom-Biochemiker Professor Dr. rer. nat. Frank Kirchhoff um 14 Uhr MESZ am 12. August an der Spielstation auf dem Christian-Weber-Platz durchgeführt. Zur Messung wurde ein ungeeichtes Infrarot-Thermometer für den Heimgebrauch, das Bosch UniversalTemp, eingesetzt.
Die typische Messgenauigkeit liegt laut Hersteller und unabhängigen Tests bei etwa ±1,8°C im Bereich von 0°C bis 100°C. Ein geeichtes professionelles Infrarot-Thermometer (wie z.B. Modell GIS 1000 C Professional oder vergleichbare Laborgeräte) garantieren eine Abweichung von meist deutlich unter ±1°C, häufig sogar im Bereich von ±0,5°C oder besser.
Zur Eignungsüberprüfung des Bosch UniversalTemp wurde eine Messung in der eigenen Armbeuge durchgeführt. Aufgrund des festgestellten Meßwertes von 36,2 Grad Celsius wird das Bosch UniversalTemp als geeignet für Temperaturmessungen im Bereich zwischen 0 und 100 Grad angesehen, die Meßgenauigkeit wird auf weniger als 2 Kelvin (Grad Celsius) angenommen.
Folgende Messwerte wurden auf sonnenbeschienen Oberflächen gemessen:
| Messpunkt | gemessene Temperaturen in °C, Mittelwert in Klammern |
| schwarze Matte unter Rutschbahn: | 73,5; 73,8; 72,2; 72,4; 72,0; 73,3; 73,4; 72,6; (72,9) |
| rote Rutschbahn selbst: | 52,1; 52,4; (52,3) |
| Holzfussboden der Spielhütte: | 62,9; 62,6; 62,4; (62,6) |
| Grüne Außenwand der Hütte: | 50,7; 51,9; (51,3) |
| Innenwand der Hütte (im Schatten): | 36,2; 35,2; (35,7) |
| Rosafarbener Liegestuhl: | 40,3; 41,0; 38,3; (39,9) |
Fazit:
Auch diese Messungen sind nur punktuelle Einzelwerte, sie sind aber genügend genau, um das Gefährdungspotential für Kinderhaut abschätzen zu können.
Die Temperatur von über 80 Grad Celsius der Wärmebildkamera wird zwar nicht präzise bestätigt, allerdings liegen die Meßwerte mit ca. 72 Grad Celsius nahe an den 82 Grad. Auch Temperaturen über 70 Grad sind akut gefährlich: Bei 70°C entstehen laut Experten bereits nach 1–2 Sekunden Verbrennungen dritten Grades (das bedeutet vollständige Zerstörung aller Hautschichten und des darunterliegenden Gewebes).
Das Rutschen auf einer Bahn mit 52 Grad Celsius hat folgende Konsequenzen: Nach wenigen Sekunden (5–10 Sekunden): Schmerz, Rötung, evtl. Blasenbildung (Verbrennung 2. Grades möglich). Bei 62 Grad Celsius als Temperatur des Holzfußbodens der Spielhütte ist selbst das Betreten mit nackten Füßen wortwörtlich brandgefährlich.
OB Forster: Bitte dringend handeln! Bitte nicht die Überbringer von schlechten Botschaften kritisieren!