Schäumender Erbach und nachfolgende Blies: Schaumbedeckter Nutria aus der Blies zeigt jahrelange Versäumnisse – Politik muss endlich handeln!

Korrektur / Klarstellung zur Pressemitteilung

Zum in der Pressemitteilung erwähnten Bild des schaumbedeckten Nutria möchten wir präzisieren: Das Tier wurde nicht im Erbach, sondern in der Blies aufgenommen. Das Bild stammt von einer Kamera des NABU Homburg.

Gerade diese Aufnahme unterstreicht die Dimension des Problems: Die Belastung zeigt sich nicht nur im Erbach selbst, sondern inzwischen auch im nachgelagerten Biosphärengewässer. Damit wird sichtbar, dass Auswirkungen problematischer Einleitungen über den Erbach hinausreichen und weiterführende Gewässer im Biosphärenreservat betreffen können.

An den inhaltlichen Forderungen unserer Pressemitteilung ändert sich nichts: Es braucht endlich konsequente Kontrollen, klare Verantwortlichkeiten und wirksame Maßnahmen zum Schutz unserer Gewässer.

Pressemitteilung – Bündnis 90/Die Grünen Homburg

Schäumender Erbach: Schaumbedeckter Nutria in der Blies zeigt jahrelange Versäumnisse – Politik muss endlich handeln!

Das Bild eines Nutria, dessen Fell in der vollständig mit Schaum bedeckt ist, sorgt derzeit in und der Region für große Aufmerksamkeit. Die Aufnahme stammt von einer Kamera des NABU Homburg. Was auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt, macht auf drastische Weise sichtbar, was sich seit Jahren im Gewässersystem von Erbach und Blies abspielt: wiederkehrende Belastungen durch Tenside und problematische Einleitungen.

Bereits seit 2018 weisen Bündnis 90/Die Grünen auf die Missstände hin. Dennoch wurden notwendige Konsequenzen über Jahre verschleppt.

„Der schaumbedeckte Nutria ist ein alarmierendes Symbolbild für den Zustand des Erbachs und der Blies. Es zeigt, dass hier nicht nur ein optisches Problem vorliegt, sondern ein ernstzunehmender Eingriff in ein sensibles Ökosystem“, erklären die Sprecher des Stadtverbandes, Andreas Filler und Katrin Lauer.

Die Verschmutzung des Erbachs beeinträchtigt Mikroorganismen, stört natürliche Selbstreinigungsprozesse und kann erhebliche Folgen für Flora und Fauna haben. Besonders kritisch ist, dass der Erbach seine Fracht an chemischen Tensiden und Schaumstabilisatoren in die Blies und weiter in das Biosphärenreservat Bliesgau trägt, was die aktuelle Sichtung des schaumbedeckten Nutria deutlich zeigt.

Auch streng geschützte Arten können betroffen sein. „Gerade mit Blick auf die Rückkehr des Fischotters in unsere Region ist die Situation besorgniserregend. Schadstoffbelastungen gefährden Lebensräume, Beutetiere und die ökologische Qualität unserer Gewässer insgesamt“, so Filler und Lauer.

Bei Hochwasser werden zudem die Blieswiesen von Wörschweiler über Einöd bis nach Blieskastel überflutet. Dabei können Schadstoffe auf wertvollen Auewiesen und landwirtschaftlich genutzten Flächen verteilt werden.

Immer wieder kommt es zu Stoßeinleitungen mit starker Schaumbildung. Solche Zustände dürfen nicht zur Normalität werden. „Das Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz muss endlich konsequent kontrollieren, Ursachen ermitteln und Verursacher klar benennen. Wer Gewässer belastet, darf nicht dauerhaft ohne Folgen bleiben.“

Auch die Stadtspitze stehen aus Sicht der Grünen in der Verantwortung. Die Stadt müsse alle rechtlichen Möglichkeiten der Abwassersatzung nutzen, Vorbehandlungen anordnen und auf verbindliche Lösungen drängen.

Laut Abwassersatzung der Stadt Homburg dürfen Stoffe nicht eingeleitet werden, wenn sie sich schädlich auf Umwelt und Gewässer auswirken können. Bereits bei begründeter Besorgnis nachteiliger Auswirkungen besteht Handlungsbedarf. Die Stadt kann Vorklärungen und technische Vorbehandlungen verlangen.

„Betriebe müssen problematische Abwässer bereits vor Ort nachhaltig lösen. Eine Rückhaltung oder Vorklärung von Tensiden und Schaumstabilisatoren im Betrieb ist technisch einfacher und wirtschaftlich sinnvoller, als diese Stoffe erst am Ende der Kanalisation in der Kläranlage behandeln zu müssen.“

Besonders unverständlich bleibt, dass eine Starkverschmutzerzulage im Stadtrat abgelehnt wurde. Eine solche Regelung würde industrielle Großeinleiter stärker an den tatsächlichen Belastungen beteiligen, Anreize zur Reduzierung schaffen und gleichzeitig für mehr Gebührengerechtigkeit sorgen.

„Es reicht nicht, Zuständigkeiten hin- und herzuschieben. Stadt, EVS, LUA und Landespolitik müssen gemeinsam handeln. Die Menschen erwarten Lösungen und keine Ausreden mehr.“

Gleichzeitig zeigt die wiederkehrende Schaumbildung, dass auch die technische Ausstattung modernisiert werden muss. Deshalb fordern die Grünen mittelfristig die Nachrüstung der Kläranlage Homburg-Beeden um eine moderne vierte Reinigungsstufe. Diese kann zusätzliche Schadstoffe, Mikroverunreinigungen und problematische Rückstände deutlich besser aus dem Abwasser entfernen.

„Es darf dauerhaft nicht sein, dass man in einem UNESCO-Biosphärenreservat einen Bach mit Schaum akzeptiert. Der Erbach steht stellvertretend für jahrelange Versäumnisse. Wer Gewässerschutz ernst meint, muss jetzt konsequent handeln – mit klaren Kontrollen, moderner Technik und politischem Willen“, betonen Andreas Filler und Katrin Lauer abschließend.